Hochauflösende Sensoren bieten viel Spielraum für Ausschnittvergrößerungen. Liefert solches Cropping bessere Ergebnisse als ein Telekonverter?

 

Selten gelingt es, sich wild lebenden Tieren auf so kurze Distanz zu nähern, dass formatfüllende Aufnahmen mit mittleren Teleobjektiven möglich sind. Mit guter Tarnung lässt sich zwar einiges erreichen, aber letztlich gilt: Wer Wildtiere fotografieren will braucht lange Brennweiten. 500 mm sollten es schon sein, besser mehr.

Wer nun aber keine zig-tausend Euro für solche Linsen ausgeben kann oder will hat nur zwei Möglichkeiten: Telekonverter oder nachträgliches Beschneiden (croppen) des Bildausschnitts.

Telekonverter: preisgünstig und flexibel

Telekonverter versprechen preisgünstig Abhilfe: Aus einem 300-mm-Objektiv machen gängige Konverter 420, 510 oder gar 600 mm. Noch besser wird es bei Kameras mit DX-Sensoren. Eine Nikon D7100 mit Nikkor 300 mm 1:4 plus 1,4-fach Konverter liefert in etwa den gleichen Bildauschnitt wie ein 600-mm-Tele auf dem FX-Sensor einer D800 oder D4 – zu einem Bruchteil des Preises.

Cropping: einfach und verlustfrei

Alternativ lässt sich jedes Foto nachträglich einfach auf den wichtigen Bildauschnitt beschneiden. Solange das beschnittene Foto in Höhe und Breite eine größere Anzahl von Bildpunkten hat, als der Bildschirm oder der Ausdruck, auf dem es wiedergegeben werden soll, ist dieses Verfahren absolut verlustfrei. Hochauflösende Sensoren wie der der Nikon D7100 mit 6000 x 4000 Bildpunkten (24 Megapixeln) bieten hier immensen Spielraum, denn die meisten Bildschirme sind nicht größer als 1920 x 1080 Pixel und ein qualitätiv hochwertiger Ausdruck von 29,7 cm x 21 cm (A4) hat 3507 x 2481 Bildpunkte.

Und natürlich lassen sich auch beide Verfahren kombinieren: Eine D7100 mit 300-mm-Tele plus 1,4-fach Konverter plus einer Beschneidung von 1,5 ergibt im Vergleich mit einer Vollformatkamera ein Brennweitenäquivalent von 945 mm, und das resultierende Bild wäre immer noch 4000 x 2667 Pixel groß!

Das sind beeindruckende Möglichkeiten, aber die wichtigste Frage lautet natürlich: Wie sieht es mit der Bildqualität aus?

Telekonverter vermindern immer die optische Leistung – relativ

Telekonverter haben einen eher schlechten Ruf. Optisch machen sie nichts anderes, als den Bildausschnitt eines Objektivs weiter zu vergößern und es ist leicht einzusehen, dass dabei Abbildungsfehler des angesetzen Objektivs ebenfalls vergrößert werden und weitere Abbildungsfehler durch den Konverter selbst hinzukommen. Ein 300-mm-Tele mit 1,4-fach Konverter wird immer eine schlechtere Abbildungsleistung haben, als ein qualitativ vergleichbares 400-mm-Objektiv.

Wie aber sieht die Praxis aus? Ich nutze seit Jahren die Kombination Nikkor AF-S 300mm 1:4D ED plus TC-14EII. Für mich eine erschwingliche Anschaffung, die zudem noch kompakt und leicht genug ist, um sie immer im normalen Fotogepäck mit dabei zu haben. Und die Kombination aus Tele plus Konverter ist flexibel. Mit wenigen Handgriffen wird aus einem 300er ein 420er und umgekehrt. Die Bildqualität sowohl des Teles allein, als auch mit Konverter, ist wirklich gut.

Hochauflösende Sensoren verlangen nach hoher Abbildungsqualität

Hochauflösende Sensoren, wie der einer D7100, verlangen aber eine deutlich bessere Abbildungsqualität, denn es werden nicht nur Bilddetails besser wiedergegeben, sondern auch Abbildungsfehler. Vor allem aber erreicht die Sensorauflösung bei größeren Brennweiten die Auflösungsgrenze des Objektivs. Anders ausgedrückt: Durch eine längere Brennweite wird zwar das Motiv größer abgebildet, es zeigt u.U. aber nicht mehr Bilddetails, als die kleinere Abbildung mit einer kürzeren Brennweite. (vergl. Sensorauflösung: Mehr Pixel, mehr Bildqualität?)

Welche Methode liefert nun also die besseren Ergebnisse: Einsatz eines Telekonverters zur Brennweitenverlängerung oder nachträgliches Cropping des Bildes und dadurch erzeugen einer „Ausschnittvergrößerung“?

Praxistest

An einem sonnigen Vormittag hatte ich Gelegenheit dieser Frage in der Praxis nachzugehen. Mitten in einem kleinen Park in meiner Heimatstadt befindet sich ein Teich mit einer Insel. Auf dieser Insel steht eine beeindruckende Weide in deren verzweigtem Geäst 10 Graureiherpaare ihre Nester angelegt haben. Mitte Mai sind nun schon etliche der mehr als 30 Jungvögel flügge, verbleiben aber zunächst in der Umgebung. Diese Jungvögel sind von klein auf an die unmittelbare Nähe des Menschen gewöhnt. Häufig stehen sie nur wenige Meter vom Ufer ihres Teiches entfernt im Wasser und tolerieren ohne Scheu die Anwesenheit von Spaziergängern und Naturfotografen. Graureiher sind große Vögel. Aufrecht stehend sprengen sie auf diese geringe Distanz bereits den Bildausschnitt meines 300er. Somit konnte ich das selbe Tier mal mit dem Tele allein und mal in Kombination mit dem Telekonverter aufnehmen und die Bilder anschließend einer genauen Betrachtung unterziehen.

Brutkolonie von Graureihern, Levinscher Park, Göttingen

Brutkolonie von Graureihern, Levinscher Park, Göttingen

Graureiher (Ardea cinerea), Jungtier auf Nahrungssuche, Levinscher Park, Göttingen, Nikkor AF-S 300mm 1:4D ED

Graureiher (Ardea cinerea), Jungtier auf Nahrungssuche, Levinscher Park, Göttingen, Nikkor AF-S 300mm 1:4D ED

Graureiher (Ardea cinerea), Jungtier auf Nahrungssuche, Levinscher Park, Göttingen, Nikkor AF-S 300mm 1:4D ED + TC-14EII

Graureiher (Ardea cinerea), Jungtier auf Nahrungssuche, Levinscher Park, Göttingen, Nikkor AF-S 300mm 1:4D ED + TC-14EII

Teleobjektiv plus Telekonverter: Deutlicher Verlust an Auflösung und Detailzeichnung

Der direkte Vergleich in der 100%-Ansicht zeigt sofort die Unterschiede in der Bildqualität. Hierbei entspricht ein Bildpixel genau einem Bildschirmpixel.

Vergleich der Bildqualität ohne und mit Telekonverter. Ansicht 100%.

Vergleich der Bildqualität ohne und mit Telekonverter. Ansicht 100%.

Vergleich der Bildqualität ohne und mit Telekonverter. Ansicht 100%/71,4%.

Vergleich der Bildqualität ohne und mit Telekonverter. Ansicht 100%/71,4%.

Mit Telekonverter wird das Motiv zwar deutlich größer abgebildet, das Foto wirkt aber flau und zeigt viele einförmige und verwaschen wirkende Flächen, während das 300er-Tele allein eine viel schärfere Abbildung liefert. Ursache dafür ist nun nicht etwa eine durch den Konverter verursachte unschärfere Abbildung, sondern in erster Linie eine deutlich schlechtere Auflösung der längeren Brennweite. Denn es ist eine physikalische Gesetzmäßigkeit, dass die Auflösung eines Objektivs sich mit größer werdender Brennweite verringert.

Damit wird durch den Telekonverter zwar das Motiv größer abgebildet, das Foto enthält aber nicht mehr Bildinformation – Bilddetails – als das Foto ohne Konverter.

Als nächstes wurde nun das Foto ohne Konverter so beschnitten, dass es die gleiche Abbildunggröße zeigt, wie das mit Konverter und dann beide Bilder auf die gleiche Größe gebracht. Im ersten Schritt wird das Bild ohne Konverter in der 100%-Ansicht dem auf 71,4% verkleinerten Bild mit Konverter gegenüber gestellt.

Auch hier ist die Abbildung ohne Konverter schärfer und zeigt erheblich mehr Bilddetails.

Verkleinerung auf Bildschirmgröße kompensiert Verlust an Auflösung

Ganz überwiegend schauen wir uns unsere Bilder aber nicht in der 100%-Ansicht an, sondern auf unserem Bildschirm oder auf einem Ausdruck. Um die Bildqualität mit und ohne Konverter beurteilen zu können, müssen die Fotos also verkleinert werden. Für die Wiedergabe auf einem HD-Bildschirm beträgt die Verkleinerung hier rund 33%.

Vergleich ohne und mit Telekonverter. Skalierung auf 33%.

Vergleich ohne und mit Telekonverter. Skalierung auf 33%.

Vergleich ohne und mit Telekonverter. Skalierung auf 33%, Scharfzeichnung.

Vergleich ohne und mit Telekonverter. Skalierung auf 33%, Scharfzeichnung.

Für die Wiedergabe auf einem HD-Bildschirm zeigen beide Fotos jetzt praktisch keine Unterschiede mehr in Bildschärfe und Detailzeichnung. Werden die Fotos zusätzlich noch einer angemessenen Scharfzeichnung unterzogen (Photoshop, Selektiver Scharfzeichner, Radius 0,3, Stärke 120), erscheinen beide Fotos hinsichtlich ihrer technischen Bildqualität identisch.

Fazit: Es kommt auf den Verwendungszweck an

Für den 24MP-Sensor einer Nikon D7100 erreicht das Nikkor AF-S 300mm 1:4D ED die Grenze der optischen Auflösung. Eine weitere Verlängerung der Brennweite durch einen Telekonverter führt zwar zu einem vergrößerten Abbildungsmaßstab, die Auflösung geht dann aber soweit zurück, dass das Foto nicht mehr Details und Bildinformationen enthält, als ohne Konverter.

Sollen die Fotos für großformatigen Druck oder eine – zukünftig sicher mögliche – Wiedergabe auf extrem hochhauflösenden Monitoren verwendet werden, bringt ein Telekonverter nichts. Das liegt aber weniger an den optischen Schwächen der Kombination Teleobjektiv plus Telekonverter, als an der prinzipiell niedrigeren Auflösung längerer Brennweiten. Hier sind also vor allem die Grenzen des DX-Sensorformats für große Teleobjektive erreicht.

Sollen die Fotos hingegen für normale Monitore und Ausdrucke verwendet werden, wird die verminderte Auflösung eines Objektivs mit Telekonverter durch die Verkleinerung ausgeglichen. Durch die Verkleinerung werden ja ohnehin die im Bild enthaltenen Informationen und Details reduziert. Jedes Foto wird allein durch Verkleinern bereits schärfer (vergl. Scharf, schärfer, Scharfzeichnung!). Ob eine Bildbeschneidung oder der Einsatz eines Telekonverters die besseren Ergebnisse erzielt, hängt davon ab, wie stark verkleinert werden soll. Je stärker die Verkleinerung, desto größer die Vorteile des größeren Abbildungsmaßstabs des Telekonverters.

 

18. Mai 2014 | Blog, Werkstattbuch | 5.324 views

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